Verbandstag: Präsident Alfred Vianden im Interview

Am 29. Juni geht im FVM eine Ära zu Ende. Nach über 45 Jahren ehrenamtlichen Engagements im Fußball und nach zwölf Jahren an der Spitze des Fußball-Verbandes Mittelrhein scheidet Alfred Vianden beim Verbandstag des FVM aus dem Amt des Präsidenten aus. Im Interview zieht er Bilanz.

Verbandstag: Präsident Alfred Vianden im Interview

Herr Vianden, was ist es für ein Gefühl, nach so vielen Jahren nicht erneut zu kandidieren?

"Es ist das berühmte lachende und weinende Auge. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich auf etwas mehr frei verfügbare Zeit, denn das ehrenamtliche Engagement an der Spitze eines solch großen Verbandes ist schon sehr zeitintensiv. Auf der anderen Seite kann ich voller Überzeugung sagen, dass ich meine bisher verfügbare Freizeit immer sehr gern mit Fußball und dem FVM verbracht habe. Ich bin sehr stolz, Präsident dieses Verbandes zu sein. Es war mir immer eine große Ehre und eine Freude, dieses ehren- und hauptamtliche Teams zu führen und Dinge für den Fußball voranzubringen."

Was ist Ihnen am wichtigsten?

"Dass wir Hand in Hand arbeiten. Es geht immer nur miteinander – und es geht immer darum, gemeinsam den Fußball an der Basis besser zu machen. Für mich gibt es kein Oben und kein Unten. Jede einzelne Ebene des Fußballs ist wichtig. Und jede Ebene und jeder Fachbereich haben enorm großes Wissen. Ich habe diese Kompetenzen gern zusammengeführt, Entwicklungen unterstützt oder auch eingefordert und unsere gemeinsamen Entscheidungen nach außen vertreten. Die zweite Grundlage für eine erfolgreiche Verbandsarbeit ist die sichere finanzielle Grundlage, um unsere Arbeit erledigen zu können. Beide Themen haben wir gleich zu Beginn angepackt und in eine gute Richtung entwickelt. So etwas kann man aber nicht alleine stemmen. Dazu müssen sich alle in den Dienst die Sache stellen."

Wie ist der FVM aufgestellt?

"Ich glaube, dass ich voller Überzeugung sagen darf: sehr gut. Der FVM ist gerade bundesweit oftmals Taktgeber für Innovationen, sei es Kinderfußball, im Kinderschutz, beim Walking Football oder mit dem Anstoß zum Finaltag der Amateure, der dem Amateurfußball ein neues Selbstbewusstsein gibt. Es ist schön zu sehen, wie engagiert unser ehren- wie hauptamtliches Team ist und sich nicht mit Stillstand zufriedengibt, sondern Lust auf Weiterentwicklung hat. Das ist im FVM zum Glück immer schon so gewesen. Ich denke nur an die von Egidius Braun ins Leben gerufenen Kampagnen zum gesellschaftspolitischen Engagement oder die Einbindung junger Menschen in unsere Gremienarbeit, die unter meinem Vorgänger Karl-Josef Tanas in der FVM-Satzung verankert wurde. Diese Entwicklung werden wir übrigens jetzt auch auf Bundesebene einfordern und daher auf dem DFB-Bundestag im September den Antrag stellen, dass junge Menschen auch in DFB-Gremien des DFB mitwirken sollen."

Wie sehen Sie die Entwicklung innerhalb des FVM?

"Mir ist wichtig, dass es auch zwischenmenschlich passt. Dass wir über Sachfragen diskutieren und am Ende zu gewinnbringenden Lösungen für unsere Vereine und den Amateurfußball zu kommen. Das haben wir gut hinbekommen, meine ich. Ich bin froh und dankbar, dass wir diese Kultur in unserem Verband pflegen. Denn nur so bringt man Sachen voran und nur so macht es ja auch Spaß. Und gerade in den letzten Jahren haben wir den Austausch mit unseren Vereinen und Kreisen nochmals weiter intensiviert. Das ist wichtig und kann dem Fußball nur gut tun.

Allgemein haben wir in den letzten Jahrzehnten einen enormen Wandel erlebt. Nicht nur im Hinblick auf den Digitalisierungsprozess, der uns die tägliche Arbeit erleichtert und große Chancen bietet, unsere Vereine zu unterstützen. Auch im Selbstverständnis haben wir uns von der klassischen Sportorganisationeinheit noch stärker zum Dienstleister entwickelt und haben unsere Rolle in gesellschaftspolitischen Fragen geschärft. Zudem hatten wir mit der WM 2006 und der WM 2011 zwei Großevents, die sich positiv auf die Mitgliederentwicklung und die Positionierung des Fußballs als "Sportart Nummer 1" ausgewirkt haben."

Welche sportlichen Themen bleiben Ihnen in Erinnerung?

"Ich bin sehr froh, dass wir unsere Bundesligisten ins Boot holen konnten, Frauen- und Mädchenfußballabteilungen zu gründen, so dass wir den talentierten Spielerinnen weiterhin eine sportliche Heimat in unserem Verbandsgebiet bieten können. Schade war, dass wir für die Fortführung des U21-Länderspokals bundesweit keine Mehrheit erreichen konnten. Für mich bleibt die Förderung dieser Altersgruppe eine zentrale Maßnahme und war eine Chance für Talente, sich zu präsentieren. Und die Regionalligarefom mit dem Kompromiss, dass nicht alle Meister aufsteigen, ist sicher für jeden Verein, der oben steht und am Ende nicht in die 3. Liga aufsteigt, sehr bitter – auch wenn der Ausgang aller Diskussion der Wunsch der Vereine nach einer Reform war, weil sie regionaler spielen wollten. Dass es am Ende nicht immer die eine richtige Lösung gibt, lässt sich an diesem Beispiel jedenfalls aufzeigen."

Wie sehen Sie die Rolle des DFB?

"Ohne Frage, auf der DFB-Ebene sind in den letzten Jahren auch Fehler passiert. Man darf aber bei einer seriös-objektiven Betrachtung die Gesamtleistung des DFB für die Landesverbände und Vereine nicht vergessen: die finanzielle Unterstützung durch Fördergelder, die Schaffung von Strukturen wie das DFBnet, von dem andere Sportarten bis heute nur träumen, das DFB-Mobil und viele andere Qualifizierungsthemen, die Vertretung der Interessen gegenüber der Politik und so vieles mehr. Und auch im Hinblick auf die DFL sollten wir festhalten: Wir pflegen in Deutschland ein Miteinander von Profi- und Amateurfußball, um das wir in Europa beneidet werden. Unser Fußball kann nur funktionieren, wenn wir ihn weiterhin gemeinsam gestalten."

Welche Themen beschäftigen den Fußball in der Zukunft?

"Die Dinge, die unsere Vereine beschäftigen, müssen weiter im Fokus bleiben. Dazu gehören die zentralen Themen Infrastruktur, Mitgliedergewinnung/-bindung und Ehrenamt, die daher auch in den kommenden Jahren im Masterplan verankert sein werden. Die EURO 2024 wird ebenfalls eine riesige Chance bieten, die müssen wir nutzen. Denn was nützt das schönste Stadion für die Profis, wenn die Kinder, die aus den kleinen Vereinen kommen, nicht von Beginn an vernünftige Strukturen vorfinden? Da ist Nachholbedarf. Die Kommunen müssen ihren Aufgaben nachkommen, eine vernünftige Infrastruktur zu schaffen. Auch im Hinblick auf die Mitgliederentwicklung bietet die EURO im eigenen Land wie die WM 2006 und 2011 damals tolle Möglichkeiten, Menschen für den Fußball zu begeistern – sportlich und im ehrenamtlichen Engagement."

Was wird Ihnen persönlich in Erinnerung bleiben?

"Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt. Auf Verbands- wie auf Kreisebene und in unseren Vereinen. Bei unseren Partnern in Sport, Politik, Wirtschaft und Medien. Da merkt man an allen Stellen: Sie wollen den Fußball und die Bedingungen für den Fußball verbessern. Und wenn man sich die Verbandstagsberichtshefte der letzten Jahre anschaut, sieht man, wie vielfältig die Themen sind, die wir angegangen sind. Das ist schön und wichtig zugleich."

Worauf freuen Sie sich nach dem 29. Juni?

"Ich bin leidenschaftlicher Jäger, dafür werde ich sicher nun mehr Zeit haben. Vor allem aber freue ich mich, nun mehr Zeit mit meiner Frau, meinen Kindern und Enkelkindern und meinen Freunden verbringen zu können. Sie alle haben in den letzten Jahrzehnten immer Verständnis gehabt für mein zeitintensives Ehrenamt und mich immer unterstützt. Aber ganz sicher werde ich das Fußballgeschehen weiter mit großem Interesse verfolgen. So etwas lässt einen ja nicht einfach so los, dafür bin ich viel zu sehr Fußballer und viel zu gerne Präsident dieses Verbandes gewesen."

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

"Bernd Neuendorf ist der gemeinsame Kandidat des Präsidiums und des Beirates. Er kennt sich aufgrund seiner Tätigkeit als ehemaliger Staatssekretär im NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport sehr gut aus und weiß, wo der Schuh bei den Vereinen drückt. Wir waren in den vergangenen Monaten sehr intensiv im Austausch. Er ist also bestens im Bilde. Und auch bei ihm gilt – im Falle seiner Wahl natürlich, denn da wollen wir dem Verbandstag als höchster Instanz des FVM nicht vorgreifen: Er kann sich auf ein starkes Team verlassen und muss die Fäden zusammenführen. Das wird ihm, da bin ich mir heute schon sicher, bestens gelingen."

Weitere Informationen: https://www.fvm.de/der-fvm/verbandstage/verbandstag-2019/

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